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Bericht von der 6. Urheberkonferenz am 19.11.18 in Berlin

© C.Rinnert

Liebe Kollegen,

am 19. November 2018 trafen sich über 300 Teilnehmer*innen aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur in der Akademie der Künste, um über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven des Urheberrechts im Informationszeitalter zu sprechen.

Christiane Wirtz, Staatssekretärin im Justizministerium und Kulturstaatsministerin (sie vertrat Ministerin Barley – btw., Maas war persönlich als Justizminister seiner Zeit vor 3 Jahren vor Ort) und Prof. Dr. Monika Grütters eröffneten mit ihren politischen Keynotes die Konferenz.

v.l.n.r.: Prof. Jeanine Meerapfel, Prof. Monika Grütters, Prof. Dr. Gerhard Pfennig, Kathrin Röggla Foto ©Initiative Urheberrecht/gezett

 

Frau Wirtz wies  auf die möglichen Optionen hin, die schwierige Diskussion um Art. 13 der Brüsseler Urheberrechts-Richtlinie zu befrieden: Die Notwendigkeit für die Plattformen, über den Erwerb der Rechte Verträge abzuschließen und die Verpflichtung der Rechteinhaber, Verträge anzubieten, ggf. in der Form der extended collective licenses (allgemeinverbindliche Verträge) oder sogar einer Schranke, z.B. für die von Nutzern hochgeladenen Werke. Alles in Allem jedoch ließ die  Eröffnungsrede von Frau Wirtz befürchten, dass wir aktuell aus dem Justizministerium (SPD) nicht so viel Unterstützung erhalten werden…. (und das, wo doch Frau Barley nach Brüssel umzieht…)

Frau Grütters konnte nicht umhin, das dann mit einem kurzen Nebensatz entsprechend zu kommentieren. Ihre Rede war beeindruckend und griff in der Thematik die politische Verantwortung der Regierung auf, die Unabhängigkeit und Freiheit des Kreativ-Schaffenden verbindlich zu gewährleisten, also auch seine wirtschaftliche Existenz durch einen entsprechenden europäischen Gesetzesrahmen zu sichern. Wenn die Regierung dies nicht täte, dann tun das Andere…..

Zitat: „Kunst und Kultur brauchen Raum, brauchen Freiheit zur Entfaltung – einen Nährboden, auf dem schöpferische Leistungen auch im digitalen Zeitalter gedeihen können. Und dazu gehört ein Urheberrecht, das es Künstlern und Kreativen ermöglicht, von geistiger Arbeit zu leben.“

Matthias Hornschuh (Komponist, u.a. Mitglied des Aufsichtsrats der GEMA) sprach in seiner Rede ebenfalls diese Notwendigkeit an.

Im Zusammenhang mit der Diskussion der EU-Urheberrechts-Richtlinie wurde auch – ebenfalls beinahe einhellig – die Inpflichtnahme der großen Tech-Giants gefordert. Prof. Gerhard Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht, ergänzte: „Es geht darum, dass wir bei der digitalen Verbreitung von Werken und Leistungen der Kunst und Kultur, aber auch von Informationen und Daten, die Demokratie gegen die Machtansprüche der Internetkonzerne verteidigen. Die Regeln werden von den in Europa vom Volk gewählten Parlamenten und Regierungen bestimmt und nicht von ‚Tech Giants’“.

Ein weiterer hervorragender Vortrag von Volker Rieck veranschaulichte das Lobbysystem von Google zur Beeinflussung der Parlamentarier (s. Foto).

© C.Rinnert

Mit freundlichen Grüßen – Christoph Rinnert

Deutscher Filmmusikpreis 2018 in Halle

Liebe Kollegen,
 
am Freitag, den 26.10.2018 fand wieder einmal die Preisverleihung des Deutschen Filmmusikpreises in Halle an der Saale statt, die wir, wenn auch nicht in der ersten Reihe stehend, mit veranstalten. Die Stadt zeigte sich gastfreundlich wie immer und es war eine  wunderbare Atmosphäre unter Kolleginnen und Kollegen.
Martina Eisenreich und Dascha Dauenhauer komponieren eine großartige Musik und ich habe mich sehr über ihre Preise gefreut.
Alle Preisträger (v. l. n. r.): Peter Gotthardt, Rachel Portman, Mario Schneider, Ralf Wienrich, Dascha Dauenhauer, Martina Eisenreich – Fotograf Joachim Blobel
 
1. Ehrenpreisträger Kategorie National Peter Gotthardt
2. Ehrenpreisträgerin Kategorie International Rachel Portman
3. Preisträgerin Kategorie Beste Musik im Film Martina Eisenreich
4. Preisträger Kategorie Beste Musik im Film Ralf Wienrich
5. Preisträgerin Kategorie Nachwuchs und Beste Musik im Kurzfilm Dascha Dauenhauer
6. Preisträger Kategorie Bester Song im Film Mario Schneider
 
 
Laudatoren waren u.a. Christine Aufderhaar, Micki Meuser, Ingo Frenzel (CC). Internationale Preisträgerin war dieses Mal Rachel Portman ( Filme: Chocolat / Emma / uvm ).
Harold Faltermeier war auch wieder dabei, dieses Mal als Gast. Ein Festival unseres Berufsstandes, das einem eine kurze Verschnaufpause von der Alltagsarbeit gewährte, denn am Samstag musste ich leider zurück
an meine DAW.
 
Aber wir waren dabei, nächstes Mal vielleicht mit einem Mitglied unseres Verbandes…. das wäre doch eine tolle Sache.
 
Christoph Rinnert

Bericht vom ECSA Vorstands-Meeting in Madrid

Liebe Mitglieder,

letzte Woche traf sich der ECSA-Vorstand in Madrid, dem „Geburtsort“ der ECSA im Jahr 2007, ein Jahr nachdem ein europäischer Komponisten-Kongress in Wien den Wunsch entwickelte, ein europäisches Bündnis der Komponisten-Verbände zu gründen.

Der ECSA-Vorstand betrachtete die aktuellen Entwicklungen bezgl. der vorgeschlagenen Copyright-Direktive im EU-Parlament und bewertete den ECSA-Arbeitsplan im Hinblick auf ECSA-Projekte wie z.B. den transatlantischen Dialog zu Musik mit langer Verwertungsdauer, Video-Games-Musik oder kulturelle Veranstaltungen wie „Grand Scores“.

ECSA Board and staff. Photo by: Luis Camacho/SGAE

In Madrid traf eine hochrangige ECSA-Delegation Repräsentanten verschiedener politischer Parteien und des Kultur-Komitees des spanischen Parlaments. Dieses Treffen diente dazu, die spanische Gesetzes-Initiative zum Status der Künstler und der vertraglichen Vergütung zu diskutieren. Außerdem traf die ECSA-Delegation den Generaldirektor des Instituto Nacional de Las Artes Escenicas Y de la Musica (INAEM), um Standpunkte zu ECSAs und INAEMs kulturellen Aktivitäten zur Förderung der Fertigkeiten und Leistungsfähigkeit der Musik-Kreativen in Bezug auf die digitale Umgebung auszutauschen.

Die Vorstandssitzung war zugleich die Gelegenheit, die Feier zum 10jährigen Bestehen der ECSA mit einem offiziellen Jubiläums-Akt in den Räumen der SGAE zu starten. SGAE-Präsident Jose Miguel Fernandez Sastron begrüßte die ECSA-Delegation sowie zahlreiche spanische Komponisten und Songwriter. ECSA-Präsident Alfons Karabuda und das spanische Vorstandsmitglied Luis Ivars erinnerten an die Highlights unter den Verdiensten der ECSA und gab einen Überblick zu den wichtigsten Zielen der ECSA. SGAE-Vizepräsident Javier Losada unterstrich noch einmal die Bedeutung der Beziehungen zwischen der spanischen Komponisten- und Songwriter-Community und ihren europäischen Kollegen.

Von links: Patrick Ager (ECSA), Guillermo Diaz (Ciudadanos), Ivan Garcia-Pelayo (FEMA), José Andres Torres Mora (PSOE), Maria José Garcia-Pelayo (PP), Rosana Pastor (Podemos), Alfons Karabuda (ECSA), Bernard Grimaldi (ECSA), Antonio Narejos (FAIC), Javier de Juan (AMA), Luis Ivars (Musimagen), Santiago Perez Lopez (PP), John Groves (ECSA). Photo by: ECSA

Das 10-Jahres Jubiläum soll mit allen ECSA-Mitgliedern in ganz Europa im Rahmen der Herbst-Meetings gefeiert werden, die vom 11. bis zum 13. Oktober in Wien stattfinden sollen. Neben der Vorstandssitzung und der Vollversammlung werden die Highlights ein Konzert im Porgy & Bess Music Club, ein Jubiläums­empfang sowie die achte Ausgabe des ECCO-Konzerts mit dem Wiener Konzert-Verein.

Darüber hinaus freut sich ECSA über ein neues Mitglied, die Belgian Screen Composers Guild, sowie über ein neues Fördermitglied, Israel Composers’ League.

Zwei EP-Ausschüsse übernehmen ihren Standpunkt in der Unterstützung der Urheber

Am 11. Juli 2017 haben die Aussschüsse CULT (Kultur und Bildung) und ITRE (Industrie, Forschung und Energie) ihren beratenden Standpunkt zur Copyright-Direktive übernommen. ECSA begrüßt diesen Standpunkt, insbesondere die explizite Stärkung der Ausschuss-Vorschläge bezgl. Online-Plattformen und die Transparenzverpflichtung verbunden mit dem Rechte-Rückfall-Mechanismus im ITRE-Standpunkt.

ECSA wird weiterhin befürwortende Anstrengungen unternehmen und den Fokus auf die verbleibenden Ausschussentscheidungen richten, die nach der Sommerpause anstehen. Die LIBE*-Ausschussentscheidung wird höchstwahrscheinlich ende September fallen, während die JURI**-Ausschussentscheidung für den 9. Oder 10. Oktober 2017geplant ist.

Mit freundlichen Grüßen

Euer Vorstand

*   LIBE – Ausschuss Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres

** JURI – Ausschuss Recht

 

 

 

Deutscher Filmmusikpreis Sachsen-Anhalt

Am 28.10.2016 wurde zum dritten Mal der Deutsche Filmmusikpreis parallel zu den 9. Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt in Halle/Saale verliehen.

Als Vertreter des Composers Club waren Anselm Kreuzer und Christoph Rinnert vor Ort, Christoph war Mitglied der Jury. Ehrengäste waren Eric Serra ( Das 5.Element / Leon der Profi  / 007 / etc )

Der DEUTSCHE FILMMUSIKPREIS wurde in sechs verschiedenen Kategorien vergeben, dieses Jahr erstmalig auch in der Kategorie Kurzfilm. Den Ehrenpreis an TV- und Filmkomponist Klaus Doldinger verlieh Staatsminister Rainer Robra.  Für den Hauch aus Hollywood sorgte Oscar-Preisträger Stephen Warbeck („Shakespeare in Love“), dem der Ehrenpreis International von Peter Dinges (FFA) überreicht wurde. In der Kategorie Beste Musik im Film überzeugte die entrückt-verspielte Filmmusik von Lorenz Dangel für den Spielfilm „Ich und Kaminski“ (Regie: Wolfgang Becker), der mit Daniel Brühl in der Hauptrolle in diesem Jahr fünf Lola-Nominierungen erhielt. Timo Pierre Rositzki erhielt den Preis in der Kategorie Bester Song im Film für den von ihm komponierten Titelsong „ALIVE“ aus der deutschsprachigen Verfilmung des Jugendromans „Boy 7“ (Regie: Özgür Yildirim) mit David Kross und Emilia Schüle in den Hauptrollen. Auch in diesem Jahr gab es wieder eine Neuerung. Erstmals wurde der Kurzfilm in einer eigenen Kategorie – Beste Musik im Kurzfilm – gewürdigt. Die begehrte Trophäe erhielt Jan Willem de With für seine musikalische Arbeit zum Kurzfilm „Little Infinity“ (2016). Den Nachwuchspreis erhielt die Filmkomponistin Franziska Henke. Sie komponierte die Musik zu dem aktuellen Kinofilm „Nellys Abenteuer“ und machte bereits mit weiteren Kompositionen für die Filme „Kids for Guns“ und „Hamam“ auf sich aufmerksam.

Die Aura des Revuetheaters und die liebevolle Gestaltung des Abends durch das Team aus Halle machten den Abend zu einem  tollen Erlebnis.

Am Samstag, d. 29.10. wurde im “Composer’s Room“ mit Anselm Kreuzer, Tina Pepper, Alexander Thies, Micki Meuser und Uwe Golz das Thema Wahr­­nehmungs­gesellschaften (GEMA) mit besonderem Fokus auf die Rechtewahrnehmung bei Online-Streamingdiensten und Vergütungszahlungen multi­nationaler Plattformen auf einem Panel mit den jungen Kollegen diskutiert.  Am Abend gab es eine beeindruckende Darbietung bekannter Filmmusiken durch die Staatskapelle Halle, u.a. auch von Klaus Doldinger und Stephen Warbeck.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr…..

 

 

ECSA-Versammlung in Ljubljana

Bericht von der

ECSA-Versammlung in Ljubljana

Der ECSA ist es gelungen, Europapolitiker von der

Notwendigkeit eines verbesserten Autorenschutzes zu überzeugen

 

Die European Composers and Songwriters Alliance (ECSA) hat vergangene Woche in Ljubljana (Slowenien) getagt. Vom Composers Club waren Präsident John Groves (ECSA-Vorstandsmitglied) und Dr. Anselm Kreuzer (Leiter einer ECSA Working Group) dabei. Wir wollen Euch kurz über die wichtigsten Aktivitäten informieren.

Musikrechteinhaber reagieren überwiegend positiv auf EC-Vorschlag

Im Zentrum des Treffens der europäischen Komponistenverbände stand der jüngst (am 14. September 2016) veröffentlichte Vorschlag der Europäischen Kommission (EC) für ein europäisches Urheberrecht mit dem Ziel eines europäischen „Single Market“. Insgesamt zeichnet sich ab, dass es der ECSA zusammen mit der Authors’ Group und der GESAC in weiten Teilen gelungen ist, Europapolitiker von der Notwendigkeit eines umfassenden Autorenschutzes zu überzeugen. Problematische Positionen, wie sie sich noch vor gut einem Jahr im sog. „Reda-Report“ (EU Copyright evaluation report der EU-Abgeordneten Julia Reda, Piratenpartei) fanden, sind einem sehr viel ausgewogeneren und die Interessen beider Seiten (Urheber und Konsumenten) berücksichtigenden Ansatz gewichen. Auf Seiten der Musikrechteinhaber ist das Echo überwiegend positiv. Gleichwohl gibt es in einigen Punkten Verbesserungsbedarf.

Erste Maßnahmen zur besseren Plattformregulierung sind in Sicht

Der für Musikautoren ebenso wie für Verlage wichtigste Aspekt des EC-Vorschlags betrifft den sog. „Value Gap“, dem zufolge auf Online-Plattformen nach derzeitiger Gesetzeslage ein unangemessener Wertetransfer von den Rechteinhabern hin zu den Plattformen stattfindet. Plattformen wachsen wirtschaftlich durch die Verbreitung von Inhalten, während die Autoren und Verlage an diesem Wachstum nur marginal beteiligt werden. Dem EC-Vorschlag zufolge soll es verschärfte Haftungsregeln geben, insbesondere die Pflicht zu effektiven „Stay-Down-Maßnahmen“, so dass von Rechteinhabern reklamierte Inhalte nicht erneut widerrechtlich auf Plattformen erscheinen. Zu einer generellen Über­arbeitung der E-Commerce-Direktive und eine Beschränkung des Haftungsprivilegs für „Host Provider“ konnte sich die EC allerdings nicht durchringen.

Recht Angemessene Vergütung soll europaweit verankert werden

EC-Präsident Jean-Claude Juncker bekennt sich in der Direktive gleichwohl klar dazu, dass Autoren und Verlage fair für die Nutzung ihrer Werke vergütet werden sollen. Entsprechend schlägt die EC auch die Aufnahme eines „Contract Adjustment Mechanism“ vor, wie er im deutschen Urheberrecht bereits in Form des „Best-Seller-Paragraphen“ (§32 UrhG) verankert ist. Von einer europaweiten Durchsetzung eines derartigen Rechts können, wie sich in Diskussionen der ECSA-Kommittees abzeichnete, Autoren und Verlage in ganz Europa profitieren, selbst in Ländern, die ein vergleichbares Recht bereits auf nationaler Ebene verankert haben, da internationales Lizenz-Dumping begrenzt werden kann und Autoren auf Augenhöhe mit ihren Auftraggebern und Verwertern verhandeln könnten.

Transparenz wird als wichtig erkannt

Ein weiteres wichtiges Themenfeld im EC-Vorschlag ist die Transparenz. So sollen Verlage verpflichtet werden, ihren Autoren regelmäßig Informationen über die mit ihren Werken erzielten Einkünfte zukommen zu lassen.

Neue Schrankenregelungen und Portabilität im Interesse der Allgemeinheit

Der EC-Vorschlag sieht zudem einige mit den Interessen der Autoren aus unserer Sicht recht gut abgewogene neue Arrangements und Schranken­regelungen des Urheberrechts vor, um beispielsweise die internationale Portabilität von digitalen Services (insbesondere Streaming-Diensten) und die Verfügbarkeit von vergriffenen Werken zu erhöhen.

ECSA diskutiert eine hohe Bandbreite aktueller Entwicklungen

Über den EC-Vorschlag hinaus hat sich die ECSA mit vielen aktuellen Entwicklungen des Musik­nutzungsmarktes sowie politischen Perspektiven beschäftigt, etwa mit Themen wie TTIP und Creative Commons. Insgesamt zeigt sich, dass ein fruchtbarer Dialog mit der Europapolitik besteht und es gelingt, Überzeugungsarbeit in Sachen Autorenrechte zu leisten.

Europa stellt sich hinter Kreativschaffende. Komponisten spielen in der Debatte eine Schlüsselrolle. Ein Bericht von der Creators Conference 2016.

Liebe Mitglieder,

vergangenen Dienstag fand in Brüssel die alljährliche Creators Conference statt, ins Leben gerufen und organisiert von der ECSA (European Composer and Songwriter Association), in der der Composers Club Mitglied und in dessen Vorstand John Groves ist. Die Creators Conference dient vor allem dazu, Politiker in Brüssel für unsere Belange zu sensibilisieren und mit Politikern hinsichtlich ihrer Vorgehensweisen, Fragen und Ziele in einen konstruktiven Dialog zu treten. Durch die Creators Conference machen Urheber sich in Europa sichtbar. ECSA-Präsident Alfons Karabuda betonte, dass Urheber endlich aus der Defensive heraus gekommen seien, um die Debatte um das Urheberrecht aktiv mitbestimmen zu können. Die Komponisten Europas hätten es durch ECSA innerhalb weniger Jahre geschafft, eine führende Kraft in der europäischen Urheberrechtsdebatte zu werden.

Viele MEPs nehmen teil und hören Kreativschaffenden zu

Die diesjährige Veranstaltung werten wir als großen Erfolg mit vielen positiven Signalen aus der EU-Politik für Urheber und ausübende Künstler, aber auch für die Gesamtsituation des Urheberrechts. Schon die Location (der Residence Palace im International Press Center in Brüssel) sorgte für ein sehr angenehmes und professionelles Gesprächs-Umfeld und war in Sachen Teilnehmerzahl nahezu ausgebucht – trotz der am selben Tag stattfindenden Bahn-Streiks in Belgien. Vor allem ist es gelungen, Präsidenten, Sprecher und Verbandsvertreter aus den unterschiedlichsten urheberischen Schaffensbereichen in einen Saal zu bekommen. So konnten die anwesenden Politiker hautnah erleben, dass es gemeinsame Anliegen, etwa bei Regisseuren, Drehbuchautoren, Journalisten, Textern und Komponisten, gibt. Das verleiht den Kernpositionen deutlich mehr Gewicht als ein isoliertes Vorgehen der Verbände. Diese Bündelung der Interessen spiegelte sich positiv in einer hohen Zahl von MEPs, die im Saal anwesend waren.

EC-Viezepräsident will bessere Plattformregulierung

Die Key Note hielt Andrus Ansip, der Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für den digitalen Binnenmarkt. Mit erfreulicher Klarheit stellte er heraus, dass die Piraterie – vor allem perspektivisch gesehen – der größte Feind der Kreativschaffenden sei. Die EU-Kommission konzentriere sich in diesem Bereich vor allem auf den „Follow-The-Money“-Ansatz, wonach illegal agierenden Plattformen der Geldzufluss durch Werbeschaltung unterbunden werden müsse. Ansip dazu sinngemäß: Es kann nicht sein, dass legale Unternehmen das Geschäft derer ermöglichen, die Inhalte stehlen. Auch müsse es gelingen, die Haftungsregeln für Intermediäre so zu präzisieren, dass nicht länger Plattformen über den Vertrieb von Inhalten Geld verdienen und sich gleichzeitig auf Haftungsprivilegien wie „Save Harbour“ berufen könnten. Ansip dazu: Sobald Plattformen erkennbar ihre Inhalte aufbereiten und organisieren, müssen sie zahlungspflichtig für die stattfindenden Nutzungen sein. Konkrete Zeithorizonte und Maßnahmen in diesem Bereich nannte Ansip nicht, aber wir werten seine klaren Worte als richtungsweisend.

„Geo-Blocking“ wird noch immer kontrovers diskutiert

Gemischt war die Resonanz auf Ansips Auffassung zur Portabilität von Inhalten. Er vertrat, wie auch andere EU-Politiker, die Auffassung, man könne den Anreiz für Piraterie verkleinern, wenn gewährleistet sei, dass ein Zugriff auf bezahlte Dienste aus allen Ländern Europas möglich sei. Er selbst käme aus einem kleinen Land (Estland) und könne nur betonen, wie wichtig es sei, in diesem Land auch ausländische Dienste nutzen zu können. Dem stehe das Geo-Blocking im Weg, auch wenn er zugleich andeutete, dass die territoriale Rechtevergabe durchaus eine Funktion im Inhalte-Markt hätte. Wie genau diese Interessen ohne einen Verfall der Lizenzpreise für Inhalte-Anbieter vereint werden könnten, erläuterte er nicht. Auf die Frage, wieso Portabilität in der EU-Politik offenbar eine größere Rolle spiele als das tagtäglich stattfindende Sterben von kreativen Geschäftszweigen, antwortete Ansip, dass er eine Hierarchie oder Priorisierung einzelner Aspekte ablehne, weil die Dinge sich alle gegenseitig beeinflussten.

Angemessene Vergütung ist im Fokus der Europapolitik

Ein von Ansip und auch nachfolgend von anderen Politikern häufig angeführter Aspekt war die angemessene Vergütung von Kreativen. Auch wenn noch nicht klar ist, wie genau die EU-Politik Kreativschaffenden helfen wird, haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Wichtigkeit dieses Aspekts erkannt wurde und ernsthaft nach Lösungen gesucht wird. Von den Urhebern aus allen Schaffensbereichen wurde immer wieder bestätigt, wie zentral eine effektiv stattfindende angemessene Vergütung für Kreativschaffende sei.

Fronten werden überwunden

Hervorzuheben ist auch, dass eine wechselseitige Annährung von Verbraucherschutz und Urheber-Verbänden stattzufinden scheint. So betonte Ursula Pachl von der Verbraucherschutzorganisation BEUC, dass es ihr nicht darum gehe, Inhalte „kostenlos“ verfügbar zu machen. Alfons Karabuda betonte, wie sehr wir den Dialog mit den Verbrauchern pflegen müssen, um funktionierende Geschäftsmodelle und sinnvolle gesetzliche Regelungen zu fördern.

Bemühung um faire Verträge

Im Podiumsgespräch über „Fair Contractual Practices“ war MEP Dietmar Köster zu Gast, der auch letztes Jahr auf der Creators Conference gesprochen hatte. Es wurde deutlich, dass es Bemühungen zu einem EU-weiten Urhebervertragsrecht gibt, was wir nur begrüßen könnten, da dann kein Wettstreit der einzelnen Länder zu Lasten der Urheber stattfinden könnte. Als einen zentralen Aspekt eines fairen Vertragsrechts nannte Köster die Sicherstellung, dass jedem einzelnen Rechtetransfer vom Urheber hin zu einem Verwerter eine (angemessene) Gegenleistung gegenüber stehen müsse.

Kampf um bessere Urhebervergütungen im Streaming

Im Gespräch über die „Sustainability in Digital Exploitation“ stellte Anders Lassen von der dänischen Verwertungsgesellschaft KODA heraus, wie unzufriedenstellend der aktuelle Deal mit Youtube sei, sowohl substanziell als auch durch den Umstand des „non-disclosure-agreements“, wonach die KODA Stillschweigen über Details des Deals bewahren müsse. Wir hoffen, dass hier erneut ein Signal gesetzt werden konnte, dass Urheber und Verwerter hier die Hilfe der EU-Politik benötigen. Auch die miserablen Vergütungen von Streaming-Diensten wie Spotify oder Netflix sowie der zusätzlich miserable Urheber-Split in der Verteilung dieser Gelder waren Gegenstand der Debatte.

Modernes Europäisches Urheberrecht wird angestrebt

Am Abschluss der Veranstaltung stand ein Gespräch über ein „European, more modern Copyright Law“ mit Maria Martin-Prat aus der Copyright-Unit der Europäischen Kommission. Hier wurde deutlich, dass die EC sich derzeit genau mit dem Status Quo von Verträgen zwischen Urhebern und Verwertern befasst und sowohl urheberrechtliche als auch wettbewerbsrechtliche Grenzen auslotet, die es bei neuen Gesetzgebungsverfahren einzuhalten gilt.

Schulterschluss unter Kreativschaffenden

Positiv war neben den gehaltvollen Panels auch, dass es viele Gespräche zwischen den Vertretern verschiedener Urheberverbände aus unterschiedlichen Ländern gab und so neue Ideen für gemeinsame Vorgehensweisen entstanden. Der Composers Club ist durch ECSA direkt in das europäische Geschehen eingebunden und hat somit eine hörbare Stimme. Auch 2017 wird es wieder eine Creators Conference geben, und der Composers Club wird sich in enger Zusammenarbeit mit ECSA dafür einsetzen, dass die wirklich brennenden Themen eingebracht werden.

Komponisten haben eine Zukunft in der immer stärker digital geprägten Nutzungswelt, wenn sie ihre Stimme erheben und der Politik die Grundlagen ihrer Wertschöpfung erklären.