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Nachlese GEMA-Mitgliederversammlung 2013

Da die diesjährige Mitgliederversammlung (vermeintlich) nicht so brisante Inhalte zu bieten hatte wie in den vergangenen Jahren, kamen leider deutlich weniger Kollegen nach München als sonst.

Das Fehlen vieler „kritischer Stimmen“ führte gleich zu Beginn der Versammlung dazu, dass Antrag Nr. 11 – der noch im letzten Jahr die erforderliche Stimmanzahl verfehlt hatte – nun angenommen wurde. Dieses hat zur Folge, dass zukünftig bei allen Abstimmungen die Stimmenthaltungen keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis haben werden. Es zählt nur noch das Verhältnis von Ja- und Nein-Stimmen. Dies ist im besonderen Interesse von Aufsichtsrat und Vorstand der GEMA, die es zukünftig leichter haben werden, ihre Anträge durchzubringen.

Aus Sicht der Auftragskomponisten war außerdem die Präsentation der Überlegungen von Aufsichtsrat und Vorstand zu der anstehenden „Neuordnung der Rundfunkverteilung“ durch Ralf Weigand von besonderem Interesse. Dieses Modell einer Neuordnung des Verteilungsplans wird zwar keine Veränderungen der Abrechnungskoeffizienten, wohl aber (teils deutlich) veränderte Minutenwerte und Sender-Koeffizienten zur Folge haben, was für viele von Euch erhebliche Veränderungen hinsichtlich der Höhe der GEMA-Abrechnungen haben kann.

Grundzüge der geplanten Neuordnung der Rundfunkverteilung:

  • Neubildung zweier getrennter Minutenwerte für TV und Radio
  • die Zuordnung des Inkassos bei den öff.-rechtl. Sendern soll anhand der „KEF“-Zahlen vorgenommen werden (KEF = Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten)
  • Die Senderkoeffizienten bleiben bei den priv. Sendern variabel, bei den öff.-rechtl. Sendern unverändert (z.B. ARD/ZDF: 10, Dritte und Radio: 1)
  • Getrennte Zuweisung der „sonstigen Zuflüsse“ zu TV- und Radio (ZPÜ, öff. Wiedergabe, Kabelweiterleitung etc.)

Radio: Die Anwendung dieses Modells würde zur Folge haben, dass die Verteilungssumme für das öff.-rechtl. Radio deutlich sinken würde, während die Verteilungssumme für das priv. Radio dementsprechend steigen würde. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, erwägt man die Einführung eines „10 Punkte-Katalogs“ zur Bewertung der verschiedenen Sender-„Wellen“ hinsichtlich ihrer kulturellen und regionalen Ausprägung, auf Basis dessen im Wesentlichen die Verteilungssumme von Musik auf öff.-rechtl. Sendern subventioniert würde.

Fernsehen: Es wurde vorgetragen, dass das neue Modell eine „leichte Verschiebung“ zu Ungunsten der Privatsender und zu Gunsten der öff.-rechtl. Sender zur Folge haben würde. Auf unsere Nachfrage wurde allerdings klar, dass man tatsächlich mit einem deutlichen Absinken rechnet: Die Verteilungssumme für das private Fernsehen würde demnach um 10% – 20% absinken. Wir sollten schnellstmöglich herausfinden, ob es hierzu genauere Prognosen gibt.

Insgesamt stellt sich die Frage, ob allein durch die Trennung des Minutenwerts (unter Beibehaltung „fester“ öff.-rechtlicher Sender-Koeffizienten und Einführung einer Quersubventionierung des öff.-rechtl. Radios durch das Privat-Radio) den Anforderungen einer „ertragsgerechten“ Verteilung gerecht werden kann. Auch das Zugrundelegen der „KEF-Zahlen“ ist allgemein umstritten, weil es sich hier um die reine Betrachtung der öff.-rechtlichen Mittelzuweisungen durch eine Kommission, nicht jedoch der tatsächlichen Einnahmen der Sendeanstalten handelt.

Weitere Brisanz ergibt sich dadurch, dass offenbar das Patentamt die GEMA angewiesen hat, ab dem nächsten Jahr nach einem neuen Verteilungsschlüssel abzurechnen, d. h., dass der bisherige Verteilungsplan dann nicht mehr angewendet werden darf. Der GEMA-Vorstandsvositzende Dr. Harald Heker führte hierzu aus, dass die GEMA aufgrund dieser Vorgabe ab 2014 ohne neuen Verteilungsplan keine Ausschüttungen an ihre Mitglieder vornehmen dürfe. Dadurch ist die GEMA gezwungen, die erforderlichen Änderungen des Verteilungsplans entweder bei einer vorgezogenen Mitgliederversammlung oder bei einer außerordentlichen Mitglieder-versammlung spätestens im Frühjahr 2014 herbeizuführen.

Diese Situation ist nach unserer Sicht deshalb inakzeptabel, weil die GEMA-Mitglieder den ihnen vorgelegten Antrag für eine neue
Rundfunkverteilung – gleich, ob ihnen das Modell gefällt oder nicht – annehmen MÜSSEN, weil sie sonst auf ihre Sommerausschüttung 2014 zu verzichten hätten.

Die vor einigen Wochen seitens der GEMA gemachte Ankündigung der Einbeziehung der Mitglieder beschränkt sich derzeit auf die Möglichkeit, Anregungen und Überlegungen bis zum 15.08.2013 an folgende Mailadresse zu senden: rundfunkverteilung@gema.de Wir ermutigen Euch ausdrücklich, vom Angebot Gebrauch zu machen, Eure Fragen, Anregungen und Überlegungen an die o. g. Adresse zu richten. Es geht um einen nicht unerheblichen Teil Eurer künftigen Bezüge.

 

Bericht vom EU XXL Forum in Wien

 

CC-Präsident John Groves war letzte Woche eingeladen, an einem Panel im Rahmen des EU XXL Forum teilzunehmen. Hier berichtet er für Euch:

Vorweg möchte ich sagen, dass es einigen Wirbel um die Auswahl der eingeladenen Sprecher beim EU XXL gab. Die Organisatoren erhielten viele Briefe, man warf ihnen vor, gerade denen eine Plattform zu bieten, die Autorenrechten sehr kritisch gegenüberstehen oder sie gänzlich ablehnen. Auch ich hatte einen solchen Brief geschrieben und wurde daraufhin eingeladen, dort ebenfalls zu sprechen. Auch wenn ich nicht der einzige pro Urheberrecht eingestellte Teilnehmer war, so richteten sich doch alle Keynote-Redner deutlich gegen Autorenrechte und Verwertungsgesellschaften, oder es wurde von ihnen zumindest eine Reform des bestehenden Rechts gefordert.
Bereits die Eröffnungsrede, gehalten von Joost Smiers (Politikwissenschaftler und Autor des Buches „No Copyright“), zielte auf die Abschaffung des Urheberrechts.
DJ Dr. Motte, Erfinder der Love Parade und einer der für die Demonstrationen rund um die GEMA MV  2012 Verantworlichen, zeigte sich ziemlich moderat. Der GEMA gegenüber sehr kritisch, sprach er immerhin von einer Reform – nicht von der Abschaffung.
Zoe.Leela, Künstlerin aus Berlin, zeigte sich als junge Frau mit festen Vorstellungen und sehr negativer Einstellung zur GEMA und zu Autorenrechten im allgemeinen. Sie sprach sich für Creative Commons aus, dafür, Werke frei zu verteilen mit der Möglichkeit, sie hinterher zu linzenzieren. Scheinbar ist sie eine der wenigen, für die dieses Sytem funktioniert.
Ich nahm am Panel Lassen Sie mich durch – ich bin Urheber* teil, der Keynote-Sprecher war Till Kreutzer (irights.law), kein Unbekannter im Themenkreis Urheberrechtsreform und Creative Commons. In seiner Rede analysierte Kreutzer die verschiedenen Typen der Kreativen, die es heutzutage gibt, und er legte nahe, dass das Gesetz flexibler mit ihnen umgehen können müsste. Wenn ich auch nicht allem zustimmen konnte, was er sagte, so war doch vieles davon durchaus sinnvoll. Es wäre schön gewesen, wenn wir uns mit dieser Analyse intensiver hätten befassen können. Aber der Moderator stellte seine Fragen direkt an die einzelnen Teilnehmer, darunter waren auch zwei Medien-Künstler. Einer der beiden erklärte, für seine „Werke“ (Mash Ups oder Collagen aus bestehendem Material) sei es viel zu schwierig, die Rechte zu klären, also mache er es „eben so“. Ich entgegnete ihm,  dass meiner Ansicht nach die Menschen, deren Werke er verwendet, wenigstens gefragt werden sollten und dass ich ihn verklagen würde, verwendete er ungefragt meine Arbeit. Dieses war der schärfste Punkt der Auseinandersetzung, erwartete Kämpfe blieben aus. Ich konnte all die Standardsätze bringen, die ich immer sage. Und tatsächlich taten alle pro-Urheberrecht-Teilnehmer genau das Selbe – sie wiederholten die altbekannten Argumente.
Alles in Allem fand ich das Event weder besonders gut noch wichtig. Ich glaube, die Auswahl der Sprecher wird noch ein Nachspiel haben. Den Versuch, das momentane gesellschaftliche Phänomen (Mash-Ups, Anti-Copyright) zu beleuchten, finde ich nicht falsch, doch leider waren wir pro-Autorenrechte-Leute hier eher in der Rolle der Beschuldigten, eingeladen, um Rede und Antwort zu stehen. Da es um „neue Wege“ ging, konnte der Eindruck entstehen, wir wären die Verteidiger des Altmodischen, diejenigen, die die Evolution aufhalten wollten.
Positiv zu vermerken ist, dass alle Teilnehmer aufgeschlossene, nette Leute waren. Wir konnten konstruktiv über unsere unterschiedlichen Standpunkte diskutieren. Das zeigt, dass wir Wege zum Dialog finden müssen. Schade fand ich, dass man nicht von Beginn an zu uns organisierten Komponisten gekommen ist, aber vielleicht können wir das zukünftig ändern. Und vielleicht Vielleicht können wir sogar einige ihrer Vorschläge aufgreifen?
John Groves
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
* Als stream hier nachzuhören

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Anträge zur GEMA-Mitgliederversammlung 2013

 

Appell an die Ministerpräsidentenkonferenz
Mehr Musik aus Deutschland im Rundfunk!

 

Neues GEMA-Tarifmodell für TV und Radio
Mögliche Auswirkungen auf Auftragskomponisten

 

Verjährung von Ansprüchen droht

 

Gerücht über außerordentliche GEMA-Mitgliederversammlung
GEMA-Aufsichtsrat erwägt Neuordnung von TV- und Radioverteilung

 

Gerücht: Außerordentliche GEMA-Mitgliederversammlung Mitte Januar in München
GEMA diskutiert Neuverteilung der TV- und Radioerträge

 

Hinweis zur Verjährung

 

Revision im Streit um Zinsen zugelassen

 

Deutscher Musikautorenpreis 2013

 

GEMA-Mitgliederversammlung 2012:
Harte Einbußen für Werbekomponisten · · · neuer Aufsichtsrat gewählt · · ·
neues Live-Abrechnungssystem „INKA“ beschlossen

Kommt zur GEMA-Mitgliederversammlung!