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ECSA-Versammlung in Ljubljana

Bericht von der

ECSA-Versammlung in Ljubljana

Der ECSA ist es gelungen, Europapolitiker von der

Notwendigkeit eines verbesserten Autorenschutzes zu überzeugen

 

Die European Composers and Songwriters Alliance (ECSA) hat vergangene Woche in Ljubljana (Slowenien) getagt. Vom Composers Club waren Präsident John Groves (ECSA-Vorstandsmitglied) und Dr. Anselm Kreuzer (Leiter einer ECSA Working Group) dabei. Wir wollen Euch kurz über die wichtigsten Aktivitäten informieren.

Musikrechteinhaber reagieren überwiegend positiv auf EC-Vorschlag

Im Zentrum des Treffens der europäischen Komponistenverbände stand der jüngst (am 14. September 2016) veröffentlichte Vorschlag der Europäischen Kommission (EC) für ein europäisches Urheberrecht mit dem Ziel eines europäischen „Single Market“. Insgesamt zeichnet sich ab, dass es der ECSA zusammen mit der Authors’ Group und der GESAC in weiten Teilen gelungen ist, Europapolitiker von der Notwendigkeit eines umfassenden Autorenschutzes zu überzeugen. Problematische Positionen, wie sie sich noch vor gut einem Jahr im sog. „Reda-Report“ (EU Copyright evaluation report der EU-Abgeordneten Julia Reda, Piratenpartei) fanden, sind einem sehr viel ausgewogeneren und die Interessen beider Seiten (Urheber und Konsumenten) berücksichtigenden Ansatz gewichen. Auf Seiten der Musikrechteinhaber ist das Echo überwiegend positiv. Gleichwohl gibt es in einigen Punkten Verbesserungsbedarf.

Erste Maßnahmen zur besseren Plattformregulierung sind in Sicht

Der für Musikautoren ebenso wie für Verlage wichtigste Aspekt des EC-Vorschlags betrifft den sog. „Value Gap“, dem zufolge auf Online-Plattformen nach derzeitiger Gesetzeslage ein unangemessener Wertetransfer von den Rechteinhabern hin zu den Plattformen stattfindet. Plattformen wachsen wirtschaftlich durch die Verbreitung von Inhalten, während die Autoren und Verlage an diesem Wachstum nur marginal beteiligt werden. Dem EC-Vorschlag zufolge soll es verschärfte Haftungsregeln geben, insbesondere die Pflicht zu effektiven „Stay-Down-Maßnahmen“, so dass von Rechteinhabern reklamierte Inhalte nicht erneut widerrechtlich auf Plattformen erscheinen. Zu einer generellen Über­arbeitung der E-Commerce-Direktive und eine Beschränkung des Haftungsprivilegs für „Host Provider“ konnte sich die EC allerdings nicht durchringen.

Recht Angemessene Vergütung soll europaweit verankert werden

EC-Präsident Jean-Claude Juncker bekennt sich in der Direktive gleichwohl klar dazu, dass Autoren und Verlage fair für die Nutzung ihrer Werke vergütet werden sollen. Entsprechend schlägt die EC auch die Aufnahme eines „Contract Adjustment Mechanism“ vor, wie er im deutschen Urheberrecht bereits in Form des „Best-Seller-Paragraphen“ (§32 UrhG) verankert ist. Von einer europaweiten Durchsetzung eines derartigen Rechts können, wie sich in Diskussionen der ECSA-Kommittees abzeichnete, Autoren und Verlage in ganz Europa profitieren, selbst in Ländern, die ein vergleichbares Recht bereits auf nationaler Ebene verankert haben, da internationales Lizenz-Dumping begrenzt werden kann und Autoren auf Augenhöhe mit ihren Auftraggebern und Verwertern verhandeln könnten.

Transparenz wird als wichtig erkannt

Ein weiteres wichtiges Themenfeld im EC-Vorschlag ist die Transparenz. So sollen Verlage verpflichtet werden, ihren Autoren regelmäßig Informationen über die mit ihren Werken erzielten Einkünfte zukommen zu lassen.

Neue Schrankenregelungen und Portabilität im Interesse der Allgemeinheit

Der EC-Vorschlag sieht zudem einige mit den Interessen der Autoren aus unserer Sicht recht gut abgewogene neue Arrangements und Schranken­regelungen des Urheberrechts vor, um beispielsweise die internationale Portabilität von digitalen Services (insbesondere Streaming-Diensten) und die Verfügbarkeit von vergriffenen Werken zu erhöhen.

ECSA diskutiert eine hohe Bandbreite aktueller Entwicklungen

Über den EC-Vorschlag hinaus hat sich die ECSA mit vielen aktuellen Entwicklungen des Musik­nutzungsmarktes sowie politischen Perspektiven beschäftigt, etwa mit Themen wie TTIP und Creative Commons. Insgesamt zeigt sich, dass ein fruchtbarer Dialog mit der Europapolitik besteht und es gelingt, Überzeugungsarbeit in Sachen Autorenrechte zu leisten.

Brexit hat keine Auswirkungen auf die Arbeit der ECSA

Liebe Mitglieder,

die wichtige Arbeit der ECSA (European Composer and Songwriter Alliance) wird nicht von Großbritanniens Rückzug aus der EU beeinträchtigt. Das teilte der Generalsekretär der ECSA Patrick Ager am 24. Juni mit. Die Zusammenarbeit werde unverändert – also mit den Verbänden des Vereinigten Königreich – fortgeführt.

„Brexit oder nicht, ECSAs Hauptziel bleibt es, in Zeiten von ‚safe harbor’, unfairen Verträgen, Direktlizenzierung durch multinationale Verlage und der konstanten Bedrohung der kollektiven Rechtewahrnehmung eine starke Stimme für Urheber wie auch ihrer Rechte zu bleiben.“

Mit freundlichen Grüßen aus der Gechäftsstelle

Eva Bekker

Europa stellt sich hinter Kreativschaffende. Komponisten spielen in der Debatte eine Schlüsselrolle. Ein Bericht von der Creators Conference 2016.

Liebe Mitglieder,

vergangenen Dienstag fand in Brüssel die alljährliche Creators Conference statt, ins Leben gerufen und organisiert von der ECSA (European Composer and Songwriter Association), in der der Composers Club Mitglied und in dessen Vorstand John Groves ist. Die Creators Conference dient vor allem dazu, Politiker in Brüssel für unsere Belange zu sensibilisieren und mit Politikern hinsichtlich ihrer Vorgehensweisen, Fragen und Ziele in einen konstruktiven Dialog zu treten. Durch die Creators Conference machen Urheber sich in Europa sichtbar. ECSA-Präsident Alfons Karabuda betonte, dass Urheber endlich aus der Defensive heraus gekommen seien, um die Debatte um das Urheberrecht aktiv mitbestimmen zu können. Die Komponisten Europas hätten es durch ECSA innerhalb weniger Jahre geschafft, eine führende Kraft in der europäischen Urheberrechtsdebatte zu werden.

Viele MEPs nehmen teil und hören Kreativschaffenden zu

Die diesjährige Veranstaltung werten wir als großen Erfolg mit vielen positiven Signalen aus der EU-Politik für Urheber und ausübende Künstler, aber auch für die Gesamtsituation des Urheberrechts. Schon die Location (der Residence Palace im International Press Center in Brüssel) sorgte für ein sehr angenehmes und professionelles Gesprächs-Umfeld und war in Sachen Teilnehmerzahl nahezu ausgebucht – trotz der am selben Tag stattfindenden Bahn-Streiks in Belgien. Vor allem ist es gelungen, Präsidenten, Sprecher und Verbandsvertreter aus den unterschiedlichsten urheberischen Schaffensbereichen in einen Saal zu bekommen. So konnten die anwesenden Politiker hautnah erleben, dass es gemeinsame Anliegen, etwa bei Regisseuren, Drehbuchautoren, Journalisten, Textern und Komponisten, gibt. Das verleiht den Kernpositionen deutlich mehr Gewicht als ein isoliertes Vorgehen der Verbände. Diese Bündelung der Interessen spiegelte sich positiv in einer hohen Zahl von MEPs, die im Saal anwesend waren.

EC-Viezepräsident will bessere Plattformregulierung

Die Key Note hielt Andrus Ansip, der Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für den digitalen Binnenmarkt. Mit erfreulicher Klarheit stellte er heraus, dass die Piraterie – vor allem perspektivisch gesehen – der größte Feind der Kreativschaffenden sei. Die EU-Kommission konzentriere sich in diesem Bereich vor allem auf den „Follow-The-Money“-Ansatz, wonach illegal agierenden Plattformen der Geldzufluss durch Werbeschaltung unterbunden werden müsse. Ansip dazu sinngemäß: Es kann nicht sein, dass legale Unternehmen das Geschäft derer ermöglichen, die Inhalte stehlen. Auch müsse es gelingen, die Haftungsregeln für Intermediäre so zu präzisieren, dass nicht länger Plattformen über den Vertrieb von Inhalten Geld verdienen und sich gleichzeitig auf Haftungsprivilegien wie „Save Harbour“ berufen könnten. Ansip dazu: Sobald Plattformen erkennbar ihre Inhalte aufbereiten und organisieren, müssen sie zahlungspflichtig für die stattfindenden Nutzungen sein. Konkrete Zeithorizonte und Maßnahmen in diesem Bereich nannte Ansip nicht, aber wir werten seine klaren Worte als richtungsweisend.

„Geo-Blocking“ wird noch immer kontrovers diskutiert

Gemischt war die Resonanz auf Ansips Auffassung zur Portabilität von Inhalten. Er vertrat, wie auch andere EU-Politiker, die Auffassung, man könne den Anreiz für Piraterie verkleinern, wenn gewährleistet sei, dass ein Zugriff auf bezahlte Dienste aus allen Ländern Europas möglich sei. Er selbst käme aus einem kleinen Land (Estland) und könne nur betonen, wie wichtig es sei, in diesem Land auch ausländische Dienste nutzen zu können. Dem stehe das Geo-Blocking im Weg, auch wenn er zugleich andeutete, dass die territoriale Rechtevergabe durchaus eine Funktion im Inhalte-Markt hätte. Wie genau diese Interessen ohne einen Verfall der Lizenzpreise für Inhalte-Anbieter vereint werden könnten, erläuterte er nicht. Auf die Frage, wieso Portabilität in der EU-Politik offenbar eine größere Rolle spiele als das tagtäglich stattfindende Sterben von kreativen Geschäftszweigen, antwortete Ansip, dass er eine Hierarchie oder Priorisierung einzelner Aspekte ablehne, weil die Dinge sich alle gegenseitig beeinflussten.

Angemessene Vergütung ist im Fokus der Europapolitik

Ein von Ansip und auch nachfolgend von anderen Politikern häufig angeführter Aspekt war die angemessene Vergütung von Kreativen. Auch wenn noch nicht klar ist, wie genau die EU-Politik Kreativschaffenden helfen wird, haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Wichtigkeit dieses Aspekts erkannt wurde und ernsthaft nach Lösungen gesucht wird. Von den Urhebern aus allen Schaffensbereichen wurde immer wieder bestätigt, wie zentral eine effektiv stattfindende angemessene Vergütung für Kreativschaffende sei.

Fronten werden überwunden

Hervorzuheben ist auch, dass eine wechselseitige Annährung von Verbraucherschutz und Urheber-Verbänden stattzufinden scheint. So betonte Ursula Pachl von der Verbraucherschutzorganisation BEUC, dass es ihr nicht darum gehe, Inhalte „kostenlos“ verfügbar zu machen. Alfons Karabuda betonte, wie sehr wir den Dialog mit den Verbrauchern pflegen müssen, um funktionierende Geschäftsmodelle und sinnvolle gesetzliche Regelungen zu fördern.

Bemühung um faire Verträge

Im Podiumsgespräch über „Fair Contractual Practices“ war MEP Dietmar Köster zu Gast, der auch letztes Jahr auf der Creators Conference gesprochen hatte. Es wurde deutlich, dass es Bemühungen zu einem EU-weiten Urhebervertragsrecht gibt, was wir nur begrüßen könnten, da dann kein Wettstreit der einzelnen Länder zu Lasten der Urheber stattfinden könnte. Als einen zentralen Aspekt eines fairen Vertragsrechts nannte Köster die Sicherstellung, dass jedem einzelnen Rechtetransfer vom Urheber hin zu einem Verwerter eine (angemessene) Gegenleistung gegenüber stehen müsse.

Kampf um bessere Urhebervergütungen im Streaming

Im Gespräch über die „Sustainability in Digital Exploitation“ stellte Anders Lassen von der dänischen Verwertungsgesellschaft KODA heraus, wie unzufriedenstellend der aktuelle Deal mit Youtube sei, sowohl substanziell als auch durch den Umstand des „non-disclosure-agreements“, wonach die KODA Stillschweigen über Details des Deals bewahren müsse. Wir hoffen, dass hier erneut ein Signal gesetzt werden konnte, dass Urheber und Verwerter hier die Hilfe der EU-Politik benötigen. Auch die miserablen Vergütungen von Streaming-Diensten wie Spotify oder Netflix sowie der zusätzlich miserable Urheber-Split in der Verteilung dieser Gelder waren Gegenstand der Debatte.

Modernes Europäisches Urheberrecht wird angestrebt

Am Abschluss der Veranstaltung stand ein Gespräch über ein „European, more modern Copyright Law“ mit Maria Martin-Prat aus der Copyright-Unit der Europäischen Kommission. Hier wurde deutlich, dass die EC sich derzeit genau mit dem Status Quo von Verträgen zwischen Urhebern und Verwertern befasst und sowohl urheberrechtliche als auch wettbewerbsrechtliche Grenzen auslotet, die es bei neuen Gesetzgebungsverfahren einzuhalten gilt.

Schulterschluss unter Kreativschaffenden

Positiv war neben den gehaltvollen Panels auch, dass es viele Gespräche zwischen den Vertretern verschiedener Urheberverbände aus unterschiedlichen Ländern gab und so neue Ideen für gemeinsame Vorgehensweisen entstanden. Der Composers Club ist durch ECSA direkt in das europäische Geschehen eingebunden und hat somit eine hörbare Stimme. Auch 2017 wird es wieder eine Creators Conference geben, und der Composers Club wird sich in enger Zusammenarbeit mit ECSA dafür einsetzen, dass die wirklich brennenden Themen eingebracht werden.

Komponisten haben eine Zukunft in der immer stärker digital geprägten Nutzungswelt, wenn sie ihre Stimme erheben und der Politik die Grundlagen ihrer Wertschöpfung erklären.

 

 

Composers’ Directory – Ein neues soziales Netzwerk für Komponisten in Europa

Liebe Mitglieder,

wir freuen uns, Euch heute mitteilen zu können, dass die Website Composers’ Directory nun online ist. Sie hat das Ziel, professionelle Komponisten mit Schulen, Musikschulen  Musik- und weiteren Hochschulen zu vernetzen und eine  nutzerfreundliche Datenbank bereitzustellen für Unternehmen, die direkten Kontakt zu Komponisten aufnehmen wollen. Es wird die Möglichkeit des praktischen Austauschs  zwischen den Komponisten geboten, egal welchen Genres.
Hier http://www.composersdirectory.eu/  könnt Ihr Euch die Website ansehen und Euer eigenes Profil anlegen. Auch Fotos und kleine Musik-Segmente haben dort ihren Platz, persönliche Nachrichten können ausgetauscht werden. So nutzt Ihr die Chance, Euch europäisch zu vernetzen und von Suchenden einfach gefunden zu werden.

Composers’ Directory ist ein Projekt der European Composer and Songwriter Alliance (ECSA) und wird unterstützt vom Creative Europe Program oft he European Union.

Mit freundlichen Grüßen
Euer Vorstand